S.O.S. von einer kleinen Insel im Meer

Im vergangenen Jahr landeten rund 50’000 Bootsflüchtlinge auf Lampedusa. Auf 6’000 BewohnerInnen kamen teilweise an die 8’000 MigrantInnen. Die Kapazität der 24 km2 grossen Insel war bald erschöpft, doch von der italienischen Regierung fehlte jede Unterstützung. Lampedusa stürzte in ein humanitäres Chaos. Wir haben mit dem Pfarrer, der Bürgermeisterin und der neuen Präsidentin von Legambiente über diese schwierige Zeit gesprochen. (Frei übersetzt und zusammengefasst)

Zwischen dem 9. Februar und dem  4. April 2011 suchten jede Nacht um die 1000 Menschen Zuflucht im Hafen Lampedusas. Die Hälfte unter ihnen stammte aus dem kriesengeschüttelten Tunesien. Dass diese Menschen kommen und Hilfe brauchen würden war absehbar. Unsere drei Auskunftspersonen sind sich einig: Das Chaos hätte mit der nötigen Unterstützung vom Festland und dem Bereitstellen der nötigen Infrastruktur  verhindert werden können. Der Fehler war nicht, dass diese Leute kamen, sondern, dass sie so lange hier verbleiben mussten, ohne angemessen versorgt werden zu können.

Hafen von Lampedusa

Hafen von Lampedusa

Eine Strategie habe gefehlt, doch hätten die BewohnerInnen versucht, das Richtige zur rechten Zeit zu tun, um den Ankömmlingen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Zuerst habe man lernen müssen, was Migration wirklich bedeutet. Doch da sie wüssten wie es ist mitten im Meer zu leben, sei es für die InselbewohnerInnen nicht schwer gewesen zu verstehen, was diese Leute brauchten.

Manche der EinwohnerInnen haben Grossväter, die einst von Tunesiern aus dem Meer gerettet wurden.  Ausserdem ist man auf dieser kleinen Insel gewohnt zu helfen. BewohnerInnen haben MigrantInnen teilweise bei sich aufgenommen oder ihnen Waschgelegenheiten, Nahrung oder anderweitige Unterstützung angeboten.
Anfangs seien sie allein gewesen, später aber von Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen und Save the Children unterstützt worden. Die Position Italiens sei klar geblieben: Verantwortung wurde nicht übernommen. „Wir fühlten uns in dieser Zeit mit dem Kontinent nicht besonders verbunden“ berichtet der Padre.

Die BewohnerInnen hätten sich nicht vor den Ankömmlingen gefürchtet, doch sei man um den Ruf der Insel und das Wegbleiben der Touristen besorgt gewesen, welche die Haupteinnahmequelle der Insel darstellen. Das Bild welches die Medien nach aussen transportierten hätten stelle Lampedusa als Symbol von Menschenrechtsverletzungen dar und werde dem nicht gerecht, was hier an Solidarität gelebt wurde.

Das Auffangzentrum der Insel ist im vergangenen Herbst wegen eines Brandes, gelegt durch darin festgehaltene verzweifelte Insassen, geschlossen worden. Die Ereignisse dieses Tages bilden ein dunkles Kapitel in der Geschichte Lampedusas. >> Mehr dazu. Zur Zeit befinden sich daher keine Flüchtlinge auf Lampedusa. Demnächst soll das Zentrum mit nun mehr 300 Plätzen wieder geöffnet werden. Der Bürgermeisterin Lampedusas wurde jedoch durch die italienische Innenministerin versichert, das Zentrum werde nur noch zur Hilfeleistung verwendet.

Daniela

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