Das Mittelmeer in Seenot

Ein Boot sticht mit 72 Passagieren in See, der Streifen Land am Horizont verschwindet, das Boot bleibt plötzlich stehen. Über Satellit gelingt es die Küstenwache zu erreichen, doch niemand antwortet. Eine Ewigkeit vergeht. Hitze, Durst und Übelkeit..

Plötzlich ein Helikopter am Himmel, ein Aufschrei der Erleichterung! Er kreist und kreist, kommt nahe, kreist weiter. Die Türe wird geöffnet, Wasserflaschen und Kekse werden ins Boot abgeseilt. Der Helikopter verschwindet und kehrt nie wieder zurück. Als das Boot zwei Wochen später ans Ufer geschwemmt wird, gibt es 9 komplett dehydrierte Überlebende. 63 Menschen haben einen grauenvollen Tod erlitten.

Das klingt wie ein Alptraum, ist jedoch eine wahre Geschichte, die sich stets wiederholt.

Flugzeug der italienischen Küstenwache

Flugzeug der italienischen Küstenwache

Erst vor wenigen Tagen hat sich im Mittelmeer ein weiteres Flüchtlingsdrama ereignet: 45 MigranInnen sind auf hoher See verdurstet. Laut dem einzigen überlebenden ist das Schlauchboot davor während 14 Tagen auf dem Wasser getrieben.

Für rund 5% der MigrantInnen die den letzten Ausweg aus ihrer verzweifelten Lage in der Überquerung des Mittelmeeres sehen, endet diese Reise mit dem Tod durch Ertrinken oder Verdursten. Das oberste Ziel der italienischen Küstenwachen und der europäischen Grenzschutzagentur Frontex liegt jedoch nicht in der Rettung dieser Menschen, sondern in der Verhinderung ihrer Ankunft an Europäischen Ufern. Bootsflüchtlinge in Seenot werden ignoriert und damit todgeweiht oder abgefangen, nach Libyen geschafft und den dortigen Behörden übergeben.

So sieht es beispielsweise das Abkommen zwischen Italien und Libyen vor. Libyen kennt kein Asylsystem und keine Aufnahmezentren für MigrantInnen. Wer hier ohne Papiere ankommt, wird ins Gefängnis verbracht. Dass in Libyschen Gefängnissen gefoltert wird ist bekannt. Italien verstösst damit gleich gegen zwei Grundprinzipien der Menschenrechte: Gegen das Recht um Asyl zu bitten und seine Gründe prüfen zu lassen und gegen das Verbot, Menschen in ein Land zurück zu schicken, in dem ihnen Folter droht. Unterschreibe die Petition an die italienische Innenministerin, und sprich dich gegen dieses Abkommen aus.

Doch was geht uns eigentlich das Mittelmeer an?

Verrigelte Tür

Verriegelte Tür, Lampedusa

Die europäische Migrationspolitik wird mit der Schweiz gemeinsam gemacht. Wir investieren Unmengen von Geld in Frontex und in die europäische Abschottung gegenüber den Migrationsbewegungen aus Nordafrika. Geld, das für deren Wohlergehen eingesetzt werden könnte. Wir applaudieren dem arabischen Frühling und geben Empathie mit jenen vor, die für die Entstehung einer demokratischen Gesellschaft ihr Leben riskiert haben. An unseren Grenzen schlagen wir ihnen jedoch die Türe vor der Nase zu und geben logistische Probleme vor.

Unsere Städte sind in der Lage, jeden Sonntag 50’000 Personen in ein Fussballstadion zu transportieren und sie dort zu verpflegen. Das Nadelöhr Lampedusa, wo im vergangenen Jahr die selbe Anzahl Menschen gestrandet sind, hatte diese Kapazität nicht. Die Inselbewohner sahen in den Ankömmlinge jedoch keine Migrationszahlen, sondern Männer, Frauen und Kinder in Not und sie haben nicht gezögert ihnen zu helfen.

Unser distanzierter Diskurs über Migration, unsere fortlaufende Verschärfung des Asylgesetzes, unsere gemeinsame Abschottungspolitik mit der EU, hat ihre Auswirkungen an den europäischen Aussengrenzen. Sie kostet im Mittelmeer Menschenleben.

Wir bitten euch deshalb, diesen Hilferuf gemeinsam mit uns an die Öffentlichkeit zu tragen und danken euch dafür, dass ihr damit einen Rettungsring zum Mittelmeer sendet.

Daniela

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Flüchtlingsgeschichten/ Témoignages de réfugiés, Migration : facts and figures/ faits et chiffres abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Das Mittelmeer in Seenot

  1. Christoph schreibt:

    Der Zynismus der europäischen Flüchtlingspolitik wird am Beispiel Lampedusa sehr deutlich!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s