Fussballspiel mit unbegleiteten Minderjährigen abgepfiffen

Für heute Abend Donnerstag, 18. Juli 2013, war ein Treffen zwischen unbegleiteten minderjährigen Schutzsuchenden und uns Amnesty-AktivistInnen geplant. Wir wollten Fussball spielen und den MigrantInnen etwas Abwechslung bieten. Statt Spass gab es Frust: das Fussballspiel wurde nämlich kurzfristig abgesagt.

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Amnesty Delegierte treffen junge Migrierende in Mytilini. Foto: AI

Das Fussballspiel sollte uns die Gelegenheit bieten, spielerisch Zeit mit den sog. unbegleiteten Minderjährigen zu verbringen, einer sehr verletzlichen Gruppe von Migrierenden. Gleichzeitig wollten wir den Teilnehmenden Abwechslung und Austausch  ermöglichen. Spass und Spiel sollten dabei im Fokus des Treffens stehen. Nun kam es anders.

Fehlende Ressourcen

Die Kinder und Jugendlichen sind in einem Zentrum in Ayassos untergebracht, das ungefähr zweieinhalb Stunden von unserem Camp entfernt liegt. Der Leiter der Unterkunft ist gleichzeitig der einzige Mitarbeiter, der für all die Schutzbedürftigen die alleinige Verantwortung trägt. Die Versorgung der Kinder ist nicht gewährleistet, das Essen wird von einem freiwilligen Mitarbeiter zubereitet.

Kein Wunder, wurde das Fussballspiel von heute Abend kurzfristig abgesagt wurde: Es fehlten die Ressourcen von Seiten der Behörden, um Transport und Betreuung der Minderjährigen zu gewährleisten. Es war keine berechtigte Person verfügbar, um die Kinder zum Work-Camp zu begleiten und die Verantwortung für ihr Wohl und ihre Sicherheit zu tragen.

Prekäre Haftbedingungen für Minderjährige

Die fehlende Betreuung von Minderjährigen, die alleine geflohen sind, ist gravierend. Nach ihrer Ankunft auf Lesbos werden auch unbegleitete Kinder in der Polizeistation des Hafens von Mytilini in Administrativhaft gehalten. Die Suche nach Schutz bringt sie hier in Europa hinter Gitter. Die wenigen Unterkünfte für Minderjährige in Griechenland sind überfüllt. Die Kinder werden deshalb lange in Haft gehalten, bis ein Platz frei wird. Sie teilen ihre Zellen mit Erwachsenen. Oft sind nicht genügend Betten vorhanden, so dass die Jüngsten ihre Betten mit anderen Migrantinnen teilen oder sogar auf dem Boden schlafen müssen. Die Minderjährigen haben keinen Zugang zur frischen Luft. Auf der Station ist keine Dusche vorhanden und um auf die Toilette zu gehen, müssen die Kinder aus der Zelle begleitet werden.

Die Situation auf den Polizeistationen und die Tatsache, dass es für das Zentrum nicht möglich war, eine Betreuung für einen Abend im Workcamp zu ermöglichen, zeigen klar, dass MigrantInnen in Griechenland dringend gesamteuropäische Unterstützung benötigen. Nur so können die Rechte dieser Kinder geschützt und ihr Wohl gewährleistet werden.

Stephanie Kurmann

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Über Daniela Enzler

Interested in human rights, refugee rights, the right to health and Malawi.
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